In der Halle des Urdenbacher Turn- und Sportvereins läuft ein Zirkus-Projekt für Kinder
Motto: „Manege frei" für die
kleinen Nachwuchs-Akrobaten

Von INES WALTER
„Sonja hilf mir! Sonja guck mal", tönt es aus allen Ecken der kleinen Turnhalle des Urdenbacher Turn­ und Sportvereins, während im Hintergrund leise Zirkusmusik ertönt. „Haben Sie etwas Zeit mitgebracht, ich muss mich erst um die Kinder kümmern", ruft Sonja Brockers freundlich. Spricht's und hilft einem kleinen Jungen dabei, auf einem großen Ball zu balancieren. Stützend hält sie ihm ihren rechten Arm hin, während er mit der anderen Hand an der Wand Halt sucht und vorsichtig
einen Fuß vor den anderen setzt.

angefasst und ausprobiert werden, während Sonja Brockers mit sanfter Stimme Hilfestellung leistet. Zwi­schendurch gibt es zur romantischen Musik des „Cirque du Soleil" Tanz­ und Bewegungspiele. Später darf sich jedes Kind ein Instrument aussuchen, mit dem es sich besonders intensiv beschäftigen möchte.
„Da jeder selbst bestimmen kann, wie weit er sich fordern möchte, arbeitet jedes Kind automatisch so, wie es sei­nen Fähigkeiten entspricht", erläu­
tert die gelernte Erzieherin das von ihr erarbeitete Konzept. „Misserfolge gibt es nicht, weil wir hier keine Wettkampfatmosphäre schaffen."
Damit die Kinder trotzdem zeigen können, was sie erreicht haben, gibt es am Ende des Kursus natürlich eine Zirkusvorstellung mit Vorhang und allem, was sonst noch dazu gehört. „Am schönsten ist es, wenn man dann die glücklichen Gesichter von Kindern und Eltern sieht", beschreibt die 27-Jährige ihre Motivation. Silvans
Mutter jedenfalls gibt ihr Recht: „Mein Sohn war anfangs recht kritisch eingestellt, doch das hat sich gelegt. Auch wenn er jetzt noch nicht alles mitmacht, die nächste Stunde möchte er auf keinen Fall versäumen." Und Sonja Brockers denkt bereits über einen neuen Kursus im Herbst nach.
Wer sich für das Konzept interessiert, kann Sonja Brockers unter Tel.:
02111 / 718 34 65 erreichen.
Langsam setzt sich der Ball in Bewegung. Nachdem die ersten mühsamen Zentimeter geschafft sind, beginnt Silvans Gesicht zu strahlen.
Der Sechsjährige ist eines von 16 Kindern, die mit Hilfe der freien Zirkuspädagogin an acht Nachmittagen Manegenluft schnuppern wollen. In den ersten zwei Stunden bekommen die Kinder erst einmal Gelegenheit, sich mit den zirkensi­schen Materialien vertraut zu machen. Bälle zum Werfen und Jonglieren, Tücher, Ringe, Keulen, Flatterbänder und Einräder - alles kann in Ruhe

Zirkuspädagogin Sonja Brockers gibt reichlich Hilfestellung, damit die kleinen Akrobaten rasch Fortschritte machen.
RP-Foto: Hympendahl

 

Rheinische Post, Juni 2000